Hat die Feuerwehr ein Problem mit Frauen?

Anfang 2019 ist ein neues Forschungsprojekt für den Feuerwehrbereich gestartet: FORTESY. Das Projekt mit dem Untertitel „Organisation, Technik, Diversität: Neue Ansätze für Sicherheit, Effizienz und soziale Integration im Feuerwehrwesen“ soll neue Ideen für Effizienz und Sicherheit im Feuerwehrwesen entwickeln bzw. untersuchen.

Auch wenn das Projekt gerade erst gestartet ist gibt es bereits erste kontroverse Diskussionen dazu. Ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschreibt ein angebliches Defizit bei der Diversität bei Feuerwehren: „Heterosexuelle Männer aus der Arbeiterschicht seien hier unter sich“. 

Der Artikel beruft sich dabei auf Aussagen der Leiterin des Forschungsprojekts, Ilona Horwath, Inhaberin der Professur Technik und Diversität an der Universität Paderborn.

Nun ist es keine Überraschung, dass beispielsweise Frauen in deutschen Feuerwehren unterrepräsentiert sind. Nach Aussage von Ilona Horwarth sind Frauen aber häufig auch unerwünscht. Und so wird folgender Schluss gezogen: „Auf keinen Fall kann der Diversitätsmangel also daran liegen, dass sich nur sehr wenige Frauen bei der Feuerwehr bewerben und dass die umworbenen Akademiker lieber lesen als löschen.“ Quelle: FAZ

Diese Schlussfolgerung bereits zu Beginn des Forschungsprojektes ist natürlich interessant. In den letzten Jahren ist gemäß der Statistik des Deutschen Feuerwehrverbands die Anzahl der Feuerwehrfrauen kontinuierlich gestiegen, und das sogar um rund 50 %.

Neben dem Anteil an Frauen sind wahrscheinlich auch weitere Bevölkerungsschichten bei der Feuerwehr nicht im gleichen Maß repräsentiert wie der Anteil an der Bevölkerung. Wir haben Auswirkungen auf Führungskräfte bereits thematisiert.

Ob wirklich auch die Feuerwehrstrukturen dazu wesentlich beitragen wird hoffentlich aus dem Projekt hervorgehen. Wichtig wäre dabei auch, dass Lösungsansätze gefunden werden, die zukünftige Entwicklungen positiv beeinflussen werden.

Das Forschungsprojekt wird so beschrieben:

Feuerwehren sind technologiefokussiert, wobei die für sicheren und effizienten Einsatz erforderlichen Praktiken sowohl individuell als auch kollektiv internalisiert werden müssen. Verbände bemühen sich nun zunehmend um interkulturelle Öffnung gegenüber MigrantInnen und Geflüchteten, gleichzeitig sind Feuerwehren für ihre Veränderungsresistenz bekannt, die sich wesentlich aus sozialen Dynamiken speist. Wie also gelingt es heterogenen Teams in Kontext von Einsatztechnologien, erfolgreich voneinander zu lernen, Innovationspotentiale zu erschließen, neue Kompetenzen zu integrieren und mit Sicherheitsnormen in Einklang zu bringen? Ziel des Projektes ist es, organisationale, technologische und soziale Faktoren herauszuarbeiten, die den Erfolg heterogener Teams ausmachen. Dabei soll speziell die Frage beantwortet werden, welche Rolle Technologien im Prozess fachlicher und sozialer Integration neuer Feuerwehrleute spielen, und wie Diversität Auswahl und Einsatz von Technologien beeinflusst.

Projekthomepage FORTESY

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