Führung in der Feuerwehr – gibt es noch „Universalgenies“?

Problembeschreibung

Gefühlt ist es ein Thema, das wöchentlich neu aufgelegt wird. Regelmäßig wird über Führungsprobleme bei Feuerwehren berichtet. Häufig stehen die Leiter der Feuerwehren bzw. Kommandanten oder die Einheitsführer im Mittelpunkt. Nicht selten sind es Konflikte ganzer Feuerwehreinheiten mit Führungskräften, die sich entwickelt haben.

Die Ursachen scheinen vielfältig zu sein. Mal rebelliert „das Ehrenamt“ gegen eine hauptamtliche Führungskraft, mal sind es Einheiten, die ihre Zukunft in Frage gestellt sehen. Häufig bekommt man den Eindruck, es „menschelt“ wohl. Nicht immer haben in einer Feuerwehr alle die gleichen Erwartungen und die gleichen Ziele.

Das war wahrscheinlich auch schon immer so. Oft hört man den Satz „Die Feuerwehr ist ein Abbild der Gesellschaft“, dementsprechend unterschiedlich sind wahrscheinlich auch die Feuerwehrmitglieder, abgesehen von der gemeinsamen „Berufung“. (Übrigens denke ich, dass die Feuerwehr kein genaues Abbild der Gesellschaft ist, bestes Beispiel ist der Anteil der Feuerwehrfrauen.)

Und dennoch drängt sich das Gefühl auf, dass heutzutage manche Diskussion schneller eskaliert und nicht vorher aus der Welt geschafft werden kann. Ein Effekt, der sicherlich nicht nur bei der Feuerwehr zu finden sein wird. Denn vieles, was in früheren Gesellschaften selbstverständlich war, ist heute anders oder gar nicht mehr relevant.

Wir haben Feuerwehr so kennengelernt, dass es früher wesentliche Aufgabe von Führungskräften war, die Einheiten zusammenzuhalten, in die richtige Richtung zu führen und natürlich auch noch Einsätze, Ausbildung und ähnliches zu verantworten. Auch das waren schon Anforderungen, die nicht jeder erfüllen konnte. Und doch gab es noch genug dieser Universalgenies.

Um es klar zu machen: dies soll kein pauschaler Vorwurf an Führungskräfte sein, vor allem nicht eine Bewertung von konkreten Situationen, die als Beispiel in Frage kämen. Das Motto „der Fisch fängt am Kopf an zu stinken“ wird sicherlich auch in Einzelfällen seine Berechtigung haben. Dennoch obliegt den Führungskräften die Aufgabe des „Problemlösens“. Und eben diese Probleme könnte es zunehmend häufiger geben.

Heute haben sich die Anforderungen vervielfacht. Unzählige rechtliche Rahmenbedingungen gibt es alleine zu berücksichtigen. Für Leiter von Feuerwehren gibt es deutlich mehr Aufgaben im Bereich der Verwaltung, z. B. die Umsetzung der DSGVO in der Feuerwehr. Viele Kommunen haben in den vergangenen Jahren, in Zeiten knapper Haushalte, Personal abgebaut. Oft wurde dabei versucht, Aufgaben im Feuerwehrkontext ins Ehrenamt abzugeben. Aber nicht nur im Verwaltungsbereich gibt es mehr zu tuen. Einsätze sind komplexer geworden, und auch die Ausbildung deutlich vielfältiger.

Das alles bedeutet sowohl hohe Anforderungen an die fachliche Eignung als auch an die zur Verfügung stehende Zeit. Gute Leute sind heute überall gefragt. Man kann fast sicher sein, eine gute Führungskraft in der Feuerwehr wird auch im beruflichen Umfeld sehr gefragt sein. Dadurch steht immer weniger Kapazität für ehrenamtliche Aufgaben zur Verfügung.

Die Universalgenies, wie wir sie genannt haben, die es heute gibt, sind eigentlich alle meist super motiviert und können viele der Herausforderungen stemmen. Doch dass es heute funktioniert muss noch lange keine Garantie sein, dass das auch morgen oder übermorgen noch gilt. Und dazu kommen die immer höheren Anforderungen zum Beispiel an die Fähigkeiten zur Konfliktlösung. Menschenführung ist etwas, was man aus unserer Sicht nicht mit einem zweitätigen Lehrgang, z. B. an der Landesfeuerwehrschule, erlernen kann. Heutzutage gibt es häufig keinen zweiten Versuch. Gut gemeint, aber nicht gut gemacht, kann direkt zum Problem werden.

Doch was bedeutet das für die Zukunft der Feuerwehr? Gutes Personal wird überall gesucht, nicht nur bei der Feuerwehr (und dort auch nicht nur für Führungspositionen). Werden die Probleme in der Zukunft mehr, müssen wir noch häufiger Pressemeldungen lesen über eskalierte Konflikte?

Lösungsansätze

Ein Ansatz könnte sein, die feuerwehrspezifischen Aufgaben abzutrennen von den verwaltenden Aufgaben. Warum muss eine Führungskraft gleichzeitig ein guter und erfahrener Einsatztaktiker und eine versierter Verwaltungsfachmann sein? Verwaltungsaufgaben können auch von der kommunalen Verwaltung unterstützt bzw. übernommen werden. Warum muss heutzutage in vielen Kommunen die Feuerwehr noch die Dokumentation z. B. der G26.3-Untersuchungen übernehmen.

Ebenfalls trennen könnte man die Aufgaben der Mitgliederorganisation und Ausbildung. Auch hier gilt, dass Charaktereigenschaften gefordert sind, die nicht jeder hat, aber auch nicht jeder haben muss. Es gibt herausragende Führungspersönlichkeiten für den Einsatzbereich, die aber keine Stärke in der allgemeinen Motivation der Feuerwehrangehörigen oder Vermittlung von Ausbildungsinhalten haben.

Wichtig ist, eine saubere Aufgabenverteilung zu definieren. Wenn die fachlichen Inhalte auch tatsächlich von den geeigneten Fachleuten behandelt werden können, bleibt mehr Zeit für Führungskräfte, tatsächlich die Aufgabe gemäß der Begriffsdefinition wahrzunehmen, nämlich das Führen von Menschen. Und dafür bringen sie dann am besten Eigenschaften wie Erfahrung im Konfliktmanagement, strategisches Denken und
Kommunikationsfähigkeit.

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