„Digitales Blaulicht“ – schneller zur Einsatzstelle?

Digitales Blaulicht

Die Anfahrt zur Einsatzstelle wird für viele Feuerwehren immer komplizierter. Mehr Verkehr, weniger Aufmerksamkeit und die Thematik Rettungsgasse nimmt auch kein gutes Ende.

Ein Forschungsprojekt untersucht derzeit, welche Möglichkeiten es zur Beschleunigung der Anfahrt gibt. Das Projekt mit dem Titel SIRENE (Secure and Intelligent Road Emergency Network) wird mit 2,57 Mio. € gefördert und soll bis 2020 laufen.

In Braunschweig wird nun ein erstes Zwischenergebnis in der Praxis getestet. Das System mit dem Arbeitsbegriff „Digitales Blaulicht“ soll Fahrzeuge warnen, die sich in der Umgebung von Einsatzfahrten auf einer Alarmfahrt befinden.

Dazu wird die sogenannte Car2Car-Technologie eingesetzt. Welche Erfahrungen das Projekt dazu bereits sammeln können ist unklar, denn diese Technik ist bei Pkw noch nicht verbreitet.

Information der Stadt Braunschweig

Die Stadt Braunschweig schreibt zu der Praxiserprobung:

„Die Feuerwehr Braunschweig wappnet sich mit dem „digitalen Blaulicht“ für die Zukunft: Sie ist die erste in Deutschland, die mit der neuesten Technik ausgestattet ist, um den Verkehr in naher Zukunft in der Umgebung vor nahenden Einsatzfahrzeugen zu warnen. Durch das „digitale Blaulicht“ werden Autofahrer frühzeitig auf Einsatzfahrzeuge aufmerksam gemacht, noch bevor diese optisch oder akustisch wahrnehmbar sind. Dadurch kann bereits frühzeitig eine Rettungsgasse gebildet werden und die Einsatzkräfte kommen schneller ans Ziel. Außerdem sorgt das System für mehr Sicherheit, wenn sich Einsatzfahrzeuge aus nichteinsehbaren Straßen nähern. Grundlage des Systems ist eine neue Funktechnik, genannt Car2Car-Kommunikation. Diese warnt den Fahrer über eine Anzeige im Display des Autos.

Die Einführung des „digitalen Blaulichts“ ist ein Zwischenergebnis des Forschungsprojekts SIRENE, an dem sich die Feuerwehr seit November 2017 beteiligt. Die Partner des Forschungsprojekts sind außerdem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Institut für Automation und Kommunikation e.V. Magdeburg (ifak), die GEVAS mbH, die PTV Group sowie die AFUSOFT Kommunikationstechnik GmbH. Das Konsortium besteht seit September 2017 und wird finanziell vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Rahmen des Modernitätsfonds „mFUND“ gefördert.

„Die Einführung des „digitalen Blaulichts“ und die Beteiligung am Forschungsprojekt SIRENE ist für die Stadt Braunschweig ein Leuchtturmprojekt“, sagt Feuerwehrdezernent Claus Ruppert. „Das Projekt ist auch Teil unseres Feuerwehrbedarfsplans, mit dem wir die Feuerwehr Braunschweig für die Zukunft aufstellen. Ziel aller Vorhaben im Feuerwehrbedarfsplan ist es, dass die Einsatzkräfte noch schneller am Brand- oder Unfallort sind als bisher.“

Ziel des Projekts ist es unter anderem, eine „grüne Welle“ für die Einsatzfahrzeuge zu erzeugen. Dafür wurden zunächst zwei Einsatzfahrzeuge mit Geräten der Firma AFUSOFT GmbH ausgestattet, die via Car2Car-Technologie mit Ampelanlagen kommunizieren und das Signal für das „digitale Blaulicht“ aussenden. „Das System basiert auf der international standardisierten, kryptographisch gesicherten ETSI G5-Technologie, welche auch im europäischen Korridorprojekt zwischen Rotterdam und Wien zum Einsatz kommt. Es ist alltagstauglich und zukunftssicher“, erklärt Prof. Erich H. Franke, der Geschäftsführer von AFUSOFT. „Es sendet die Warnung vor dem sich nähernden Einsatzfahrzeug über mehrere hundert Meter an den Verkehrsteilnehmer in der Umgebung.“ In einem ersten Test mit einem Versuchsfahrzeug des Instituts für Verkehrssystemtechnik des DLR konnte das System bereits erfolgreich eingesetzt werden.

Damit die Anzeige von Autos empfangen werden kann, müssen diese über eine Car2Car-Schnittstelle verfügen. Bisher verfügen Autos noch nicht über diese Technik, doch neue Wagen sollen schon bald damit serienmäßig ausgestattet werden. Daher rechnen die Projektpartner in Braunschweig mit einer raschen Marktdurchdringung, sodass das „digitale Blaulicht“ schnell Verbreitung findet. Mit steigendem Anteil der Car2Car-kommunikationsfähigen Fahrzeuge auf den Straßen steigt auch der Nutzen des Systems.

Künftig werden drei weitere Fahrzeuge ausgestattet, sodass insgesamt fünf Einsatzfahrzeuge Car2Car-Meldungen versenden können. Diese Fahrzeuge sollen dann Dank der neuen Technik im weiteren Projektverlauf auch in der Lage sein, die „grüne Welle“ entlang des westlichen Stadtrings anzufordern. Dieser Schritt ist für das zweite Halbjahr 2019 geplant. Das DLR betreibt mit Unterstützung des Bundes, des Landes und der Stadt entlang des Braunschweiger Innenstadtrings die sogenannte Anwendungsplattform Intelligente Mobilität (AIM). Insgesamt 36 Ampelkreuzungen hat das DLR dort mit der neuesten Kommunikationstechnik ausgestattet. „Als Testfeld für automatisiertes und vernetztes Fahren in der Stadt ist AIM die perfekte Plattform für die Weiterentwicklung der Technologie in SIRENE“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Katharina Seifert, Direktorin des DLR-Instituts für Verkehrssystemtechnik. „Die ausgestatteten Kreuzungen leiten die Car2Car-Meldungen weiter. So vergrößern wir die Reichweite und erhöhen die Effektivität des Systems.“ Insgesamt läuft das Forschungsprojekt bis September 2020.“

Quelle: Stadt Braunschweig

Projektvorstellung SIRENE

Die Ziele des Projektes SIRENE sind wie folgt formuliert:

„Optimierte Routenführung für Sondereinsatzkräfte unter Zuhilfenahme von Verkehrsvorhersagen, kooperativer Infrastruktur und Verkehrssteuerung
Vorfälle wie Unfälle, Brände, Naturkatastrophen oder gar Terroranschläge erfordern die optimale Koordinierung entsprechender Einheiten, wie Polizei, Feuerwehr oder Ambulanz. Das Ziel von SIRENE ist es, diesen Prozess durch technologische Optimierungen entscheidend zu verbessern sowie abzusichern. Zunächst ist das Routing von Einsatzkräften zu verbessern – unter anderem durch kurzfristige Verkehrsprognosen, die auch gerade erst aufgetretene Ereignisse berücksichtigen können. Eine Beeinflussung von vernetzten Lichtsignalanlagen (LSAs) dient der Priorisierung von Sondereinsatzkräften. Die für solche Maßnahmen nötige Kommunikation zwischen Fahrzeugen, straßenseitiger Infrastruktur und Verkehrsleitzentralen soll die gemeinsame Nutzung von verfüg-baren Standards wie Mobilfunk, POCSAG, Car2X (WLANp) etc. beinhalten. Letztendlich soll auch in Krisenfällen die Mobilität für Rettungskräfte als auch Zivilbevölkerung aufrechterhalten werden.

Quelle: SIRENE Projektübersicht

Im Rahmen des Projektaufrufes mFUND (Modernitätsfonds) vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat sich bereits ein schlagkräftiges Konsortium zusammengefunden. Es sind die Integration und abschließende Demonstration des entwickelten Systems in Braunschweig als auch Magdeburg geplant. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Endanwendern, die von den Projektergebnissen profitieren sollen und daher eigene Anforderungen einbringen können. Das Projekt SIRENE startete im September 2017 und geht über drei Jahre.

Wichtigste Ziele:

  • Enge Zusammenarbeit mit Endanwendern (wie Feuerwehren) zur Identifizierung von Anwendungsfällen und Anforderungen an das zu entwickelnde System
  • Spezifizierung von Systemarchitektur und Protokollen, um Informationen sicher über verschiedenste Kommunikationswege und Technologien zu transportieren
  • Optimierte Routenführung unter Berücksichtigung
  • der Verkehrslage (aktuelle und die der nahen Zukunft)
  • Sonderrechten von Einsatzkräften (z. B. Nutzung von Fußgängerzonen)
  • Beeinflussung intelligenter Verkehrssysteme, z. B. Anforderung von grünen Wellen für Kolonne aus Einsatzkräften über Car2X
  • Absicherung der Kommunikation und digitalen Infrastruktur durch Methoden der funktionalen Sicherheit (Redundanz, Identitäts- und Zugriffsmanagement etc.)“

Quelle: SIRENE Projektübersicht

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