20 Jahre Psychosoziale Unterstützung (PSU) bei der Feuerwehr Dortmund

Die Feuerwehr Dortmund hat im Jahr 1999 damit begonnen, ein Team von Feuerwehrleuten als Ansprechpartner zur psychosozialen Unterstützung (PSU) auszubilden, regelmäßig zu schulen und durch Supervision zu unterstützen. Die damalige Ausbildung und die weiterhin durchgeführten Supervisionen stehen bis heute unter der Leitung von Frau Dr. Gorissen. Nach einem Jahr und 122 Unterrichtseinheiten war dann das Kriseninterventionsteam (KIT), heute als PSU-Team (psychosoziale Unterstützung) bezeichnet, einsatzbereit. Um sicher zu stellen, dass zu jeder Zeit ein PSU-Angehöriger im 24 Stundendienst der Feuerwehr verfügbar ist, wurden nach vier Jahren weitere Kollegen ausgebildet. Heute besteht das PSU-Team aus 20 PSU-Assistenten und 20 PSU-Helfern der Berufsfeuerwehr und 20 PSU-Helfer der Freiwilligen Feuerwehr die rund um die Uhr abrufbar sind, um den Angehörigen der Feuerwehr Dortmund und dem Dortmunder Bürger beizustehen.

Ein Teil des PSU-Teams mit Supervisorin Dr. Gorissen, Pfarrer Hendrik Münz und dem stellvertreten Fachbereichsleiter Detlev Harries, Quelle: Feuerwehr Dortmund

Die Arbeit im PSU-Team ist, wie insgesamt der Feuerwehrdienst auch, sehr vielseitig. Jeder Feuerwehrangehörige wird sich bestimmt noch daran erinnern können, was seine Gründe waren zur Feuerwehr zu „gehen“. Die Arbeit bei der Feuerwehr ist spannend, interessant und erzeugt ein Gemeinschaftsgefühl. Die Feuerwehr hilft Menschen in einem Notfall. Jeder Einsatz der erfolgreich abgearbeitet wird, führt zu mehr Kompetenz und macht die Feuerwehrangehörigen stolz. Die Brandschützer haben ein hohes Ansehen in der Öffentlichkeit, was sie zusätzlich motiviert. Doch gleichzeitig hat die Tätigkeit in der Feuerwehr auch ihre Schattenseiten: So kann die Konfrontation mit Sterben, Tod und Leid belasten. Nicht bei allen Einsätzen kann man so helfen, wie man es gerne würde. Aus manchen Erfahrungen resultiert Frust und Hilflosigkeit. Darüber hinaus können körperliche Anforderungen die Feuerwehrleute an persönliche Leistungsgrenzen bringen. Neben Einsatzbelastungen können aber auch ungünstige organisationsinterne Regelungen als etwas Unangenehmes erlebt werden. Auch die Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten verläuft nicht immer reibungslos. Und nicht zuletzt können auch notwendige Aus- und Fortbildungen schlichtweg lästig und überfordernd sein.

Werden diese und weitere Schattenseiten des Feuerwehrdienstes aus dem Feuerwehralltag und aus Einsatzsituationen nicht angemessen beachtet, können sich langfristig unangenehme Folgen entwickeln, die die Lebensqualität und den Dienst in der Feuerwehr unter Umständen sehr beeinträchtigen. Der Ärger über diese Belastungen kann beispielsweise dazu führen, dass man sich zunächst nach einiger Zeit dauerhaft niedergeschlagen fühlt, alles nur noch negativ sieht und zynisch wird. Schließlich können sich aufgrund dessen psychische und/oder physische Gesundheitsstörungen entwickeln. Um all die Facetten dieser Schattenseiten im Feuerwehrdienst zu erkennen, stehen die Mitglieder des PSU-Team nunmehr seit 20 Jahren rund um die Uhr bereit, um allen Angehörigen der Feuerwehr Dortmund in ihren schwierigen Situationen beizustehen und in den vielen unterschiedlichen Bereichen Hilfe anzubieten.

Doch damit nicht genug. Auch im häuslichen Bereich ist der Bedarf an einer psychosozialen Unterstützung in den letzten 20 Jahren stetig gestiegen. Daher hat sich im Laufe der Zeit zusätzlich der Bereich psychosoziale Notfallversorgung entwickelt.

Grundsätzlich war und ist das PSU-Team nur für Feuerwehrangehörige zuständig. Da es aber immer häufiger Anforderungen aus dem häuslichen Bereich (z.B. Betreuung von Angehörigen nach Todesfällen in der Familie oder nach Schadensereignissen) gab, ist das Team der Feuerwehr Dortmund wie die viel zitierte „Jungfrau zum Kinde“ zur PSNV (psychosozialen Notfallversorgung) gekommen. Die PSNV steht für die Unterstützung des Bürgers bei oder nach belastenden Ereignissen und Erlebnissen in Verbindung mit Feuerwehr oder Rettungsdienst. In den Anfängen war die Notfallseelsorge noch nicht so gut aufgestellt wie heute. Dies führte an Einsatzstellen immer wieder zu Defiziten in der PSNV. Hier entschied sich das PSU-Team dazu, diese Lücken in der PSNV zu schließen. Heute arbeitet das PSU-Team der Feuerwehr Dortmund ganz eng mit der Notfallseelsorge (NFS) an den Einsatzstellen zusammen und betreut die Dortmunder Bürger nach belastenden Einsätzen. Das Team der Notfallseelsorge wird durch Pfarrer Hendrik Münz, auch Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Berghofen, geleitet, koordiniert und ausgebildet. Das Team besteht aus hauptamtlichen Pfarrern und zu einem sehr großen Anteil aus Ehrenamtlichen. Alle müssen eine sehr umfangreiche Ausbildung absolvieren und stehen dem Dortmunder Bürger 24 Std/7 Tage bei Bedarf zur Verfügung. Was in diesem Bereich durch das Ehrenamt geleistet wird, verdient den größten Respekt und Anerkennung.

Durch die Anerkennung und Unterstützung in der gesamten Feuerwehr Dortmund, konnten die strukturellen Veränderungen und Anpassung nach und nach vollzogen werden, so dass das PSU-Team der Dortmunder Brandschützer heute im landesweiten Vergleich in diesem Bereich mit führend ist. Diese und die noch anstehenden Veränderungen für den Bereich PSU/PSNV in der Zukunft machen uns Mut für die kommenden PSU/PSNV-Jahre.

Quelle: Feuerwehr Dortmund

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