Reaktion auf veränderte Einsatzsituationen: Empfehlung für Waldbrand-TLF

Wald- und Vegetationsbrände stellen die deutschen Feuerwehren vor immer größere Herausforderungen, denen auch technisch begegnet werden muss. „In Folge des Klimawandels nimmt die Zahl der Waldbrände zu. Für besonders kritische Lagen werden spezielle Einsatzmittel benötigt“, erklärt Karl-Heinz Knorr, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV). Als Konsequenz aus den großen Waldbränden der letzten Jahre hat der Deutsche Feuerwehrverband nun gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in der Bundesrepublik Deutschland (AGBF-Bund) die Spezifikation für ein Waldbrand-Tanklöschfahrzeug (TLF) erarbeitet, das für den Einsatz bei der Vegetationsbrandbekämpfung optimiert ist. Die gemeinsame Fachempfehlung ist unter www.feuerwehrverband.de/fe-waldbrand-tlf.html online verfügbar.

Zur Bekämpfung von Vegetationsbränden stellen Löschfahrzeuge mit Wasservorrat einen natürlichen Ausgangspunkt dar. Grundsätzlich sind daher fast alle universellen Löschfahrzeuge für die Aufgabe geeignet. Die Feuerwehren in Deutschland löschen damit jedes Jahr mehrere tausend Vegetationsbrände. Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat aber nicht nur eine Zunahme der Ereignisse gezeigt. Auch die Ausmaße einzelner Brände wurden größer, die Entwicklungsgeschwindigkeit höher. Sehr dynamische und/oder gleichzeitige Einsatzstellen bringen erhöhte Anforderungen an die Taktik, die Technik, die Ausbildung und die Sicherheit der Einsatzkräfte mit sich.

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Die von DFV und AGBF erarbeitete Spezifikation beschreibt daher ein Spezialfahrzeug, das konsequent für den Einsatz bei der Vegetationsbrandbekämpfung ausgelegt ist und so erkannte einsatztaktische Lücken schließt. Es stellt in der technischen Ausführung einen Kompromiss dar zwischen einem möglichst großen Löschwasservorrat, einer arbeitsfähigen Besatzungsstärke und kompakten Abmessungen. Eine Besatzung von vier Einsatzkräften kann damit auch aus dem fahrenden Fahrzeug Brände bekämpfen. Die Fahrzeugtechnik ist gegen im Untergrund oft nicht sofort sichtbare Hitzestellen besonders geschützt. Bei einer akuten Gefahr dienen außerdem eine Selbstschutzanlage, Notfahreigenschaften, hohe Geländegängigkeit und Atemluftanschlüsse für die gesamte Besatzung der Fluchtmöglichkeit oder dem vorübergehend sicheren Verbleib im Fahrzeug.

Christian Schwarze, Leiter des Fachausschusses Technik der deutschen Feuerwehren, erläutert die Anforderungen an das Waldbrand-TLF: „Es ist als Fahrzeug der Kategorie 3 der DIN EN 1846 wirklich „geländegängig“ und nicht nur „geländefähig“ wie fast alle Allrad-Löschfahrzeuge in Deutschland. Es ist ein Spezialfahrzeug mit besonderen technischen Elementen wie etwa einer wirksamen Selbstschutzanlage und speziellen Reifen, die es zulassen, sehr deutlich näher an das Feuer heranzufahren, als dies mit üblichen Tanklöschfahrzeugen möglich ist. Über seine Dachluken ist eine schnelle Brandbekämpfung vom Fahrzeug aus möglich; so kann sehr schnell auf eine Lageänderung reagiert werden.“ Das Waldbrand-TLF sei aber immer im Verbund mit anderen Feuerwehrfahrzeugen zu sehen, so der Hauptautor des Pflichtenhefts. Technisch und taktisch orientiere es sich an französischen Vorbildern, die dort ebenfalls nur einen Teil eines erprobten Gesamtsystems darstellten. Ein Arbeitskreis des Deutschen Feuerwehrverbandes wird daher in den kommenden Monaten ein einsatztaktisches Gesamtkonzept ausarbeiten, das auch die neuen taktischen Möglichkeiten der Waldbrand-Tanklöschfahrzeuge einbinden wird.

Nebenher hat das Waldbrand-TLF aufgrund seiner besondere Technik aber auch im Bereich von Überschwemmungen einmalige technische Kompetenzen. „Damit deckt das Fahrzeug besondere Herausforderungen in den beiden großen Flächenlagenszenarien ab, mit denen sich die deutschen Feuerwehren in den kommenden Jahren mehr und mehr auseinandersetzen müssen“, erklärt Schwarze. Das Waldbrand-TLF ersetze auf keinen Fall die im Alltagsbetrieb bewährten genormten Tanklöschfahrzeuge.

„Die Waldbrand-Tanklöschfahrzeuge sind hochspezialisiert für Einsätze bei Waldbränden“, erläutert DFV-Vizepräsident Knorr. Da die Fachempfehlung zum Waldbrand-TLF einen für die deutschen Feuerwehren neuen Weg beschreitet, sind die technischen Anforderungen in der Fachempfehlung erläutert, um die Gedanken bei der Konzeption nachvollziehbarer zu gestalten.

DFV und AGBF haben das Pflichtenheft nun dem Bundesministerium des Innern (Abteilung Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz) und dem Arbeitskreis V (Feuerwehrangelegenheiten, Rettungswesen, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung) der Innenministerkonferenz vorgelegt. „Im Sinne einer einheitlichen Technik wäre eine bundesweite Beschaffung sehr wünschenswert“, baten Hermann Schreck, Ständiger Vertreter des Präsidenten des DFV, und Jochen Stein, Vorsitzender der AGBF, um Unterstützung. Im Zuge der gemeinsamen Waldbrandkonferenz des AK V und des DFV im November 2018 hatten die Feuerwehrverbände die Erstellung des Dokuments zugesagt.

Verfasst wurde die Fachempfehlung „Pflichtenheft Waldbrand-TLF“ durch Christian Schwarze, Feuerwehr Stuttgart, in enger Abstimmung mit den Fachausschüssen Technik, Einsatz, Löschmittel und Umweltschutz sowie Zivil- und Katastrophenschutz der deutschen Feuerwehren im Auftrag des DFV-Präsidiums und des AGBF-Vorstandes. Die Fachausschüsse sind gemeinsame Gremien der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in der Bundesrepublik Deutschland (AGBF-Bund) und des Deutschen Feuerwehrverbandes.

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